Fachtagung Systemische Biografiearbeit I 15. Februar 2025 I Das Programm

Die Impuls-Vorträge

Sich erzählen lassen – diese drei einfachen Worte sprechen in schöner Doppeldeutigkeit zweierlei aus: ‚Ich lasse erzählen‘ – ich bin Zuhörer*in bei anderen und
‚Ich lasse mich erzählen‘ – ich spreche aus mir heraus zu anderen.
Erzählen (und Erzähltes) entfaltet sich so in einem Raum zwischen Menschen, die füreinander Sprechende und Hörende sind. Diesen Erzählraum zugleich offen und strukturiert zu gestalten, gehört zur Grundkompetenz Systemischer Biografiearbeit und ist in jeglichem Umgang mit Klient*innen von Bedeutung. In der Beweglichkeit, die dieser Spiel-Raum bietet, wird das Erkunden und Ausdrücken der eigenen Geschichte lebendig und zeigt transformatorische Wirkung.

Biografiearbeit können wir als angeleitetes Nachdenken über das eigene Gewordensein verstehen, das an der Bearbeitung biografischer Brüche ansetzt. Zu diesen Brüchen zählen traumatische Erfahrungen, die das Erzählen über die eigene Gewordenheit in sozialen Zusammenhängen erschweren oder sogar verhindern können. Biografiearbeit zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, Menschen zu befähigen, ihre Handlungsmächtigkeit (wieder-)herzustellen. In ihrem Vortrag widmet sich Christin Schörmann den Besonderheiten des biografischen Erzählens von Menschen mit traumatischen Erfahrungen und stellt Überlegungen für die Praxis der Biografiearbeit an.

 

In ihrem Vortrag widmet sich Germana Alberti vom Hofe den Besonderheiten der biografischen Selbstreflexion in Ausbildung und Praxis. Der Vortrag basiert auf der Hypothese, dass die Fähigkeit zur biografischen Selbstreflexion erlernt werden kann, um ein tieferes Bewusstsein für die eigenen Lebensgeschichten, Werte, Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die professionelle Praxis zu entwickeln. All das ist im Kontext eines Pflichtseminars an einer Hochschule eine Herausforderung sowohl für die Studierenden als auch für die Lehrenden. Die Herausforderung, eigene biografische Aspekte zu reflektieren, setzt sich in der beruflichen Praxis im Kontext der Supervision fort.